Stillstand in Thailand – Reisen in Zeiten des Corona-Virus

Als Pendler auf dem Weg zu Studium und zur Arbeitsstelle wird man doch recht häufig mit dem Thema Handhygiene konfrontiert. Sehr zeitnah gewöhnt man sich also an, den schlechten Zugang zu Handwaschbecken in Bus und Bahn mit Desinfektionsmitteln zu kompensieren, wenn man ungeschoren durch die Grippezeit in Deutschlands Wintern kommen möchte. Gerade daheim hat man dafür noch viel Spott einstecken müssen, doch das war egal, trotz engem Kontakt zu Menschen blieb die Grippe immer aus. Ein neuartiger Virus lässt diese Hygienemaßnahmen nun ganz logisch erscheinen, die Übertragungsrate ist hoch, wenn die Grundimmunisierung fehlt. Und plötzlich wollen alle Menschen Desinfektionsmittel haben. Als wir im Januar das erste Mal vom Ausbruch des Virus in China hören, hätten wir nicht mit den Auswirkungen gerechnet, die die Ausbreitung des Virus mit sich bringt. Die ersten besorgten Anrufe oder Nachrichten von den Eltern in Europa, wandelte sich im Laufe der nächsten Wochen und Monate viel mehr in eine Sorge um unsere Familie daheim. Deswegen wollen wir euch einen kleinen Überblick darüber geben, wie sich die Lage für uns hier entwickelt hat und wie der Virus das Reisen beeinflusst.

Im ersten Monat, in dem der Ausbruch des Virus bekannt wurde, waren wir in Laos. Hier war noch absolut keine Besorgnis zu spüren, auch Vorsichtsmaßnahmen und Prävention wurde nicht getroffen. Im Gegenteil reisten wir zu dieser Zeit mit sehr vielen chinesischen Touristen Seite an Seite durch das Land, da das chinesische Neujahrsfest vor der Tür stand. Erst im nächsten Monat in Vietnam nahmen wir die Sorge vor der Ausbreitung des Virus verstärkt wahr. Relativ früh schon, wurden Einreisen über China gestoppt und chinesische Touristen sah man nur noch vereinzelt. In Sapa bekamen wir unseren ersten Mundschutz geschenkt, kaufen hätten wir ihn ohnehin nicht können, alles war ausverkauft. Als wir Richtung Cat Ba weiterreisten bekamen wir von der Busagentur die Anweisung unsere Masken zu tragen, vor einer Tour in die Ha Long Bay wurden bei allen Passagieren die Temperatur gemessen, bevor wir in See stechen durften. Wir selbst fühlten und fühlen uns zu keinem Zeitpunkt unsicher, da wir nicht in die Risikogruppe fallen, aber natürlich möchte man ja auch nicht unwissentlich seine Mitmenschen anstecken.

Anfang März waren wir in Kambodscha angelangt, das selbst nur von drei bestätigten Fällen sprach. Wenn man jedoch bedenkt, wie schnell die Zahlen in Italien gestiegen sind, kann sich auch hier die Lage von Tag zu Tag ändern. Die Sorge um das Virus war in der Bevölkerung kaum zu spüren oder vielleicht auch garnicht vorhanden. Aus Vietnam hören wir allerdings immer neue Änderungen. Kurz nachdem wir ausgereist waren wurde das 15-tägige Visa On Arrival für Deutsche und eine Reihe anderer europäischer Länder gestrichen und mittlerweile sind auch andere Visa bis auf weiteres für Bürger vieler europäischer Länder nicht mehr erhältlich. Touristenattraktionen werden geschlossen und Unterkünfte verweigern die Unterbringung von Touristen. Das Land versucht sich selbst zu schützen vor einer Flut von neuen Infektionen, die das Gesundheitssystem und die medizinische Versorgung schwer treffen würden. Eine kluge Entscheidung, die momentan auch in vielen europäischen Ländern mit der Absage von großen Versammlungen und Veranstaltungen durchgesetzt wird. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind durch fallende Börsenkurse ja bereits jetzt zu spüren und großflächige Quarantänen wie in Italien, schwächen die Wirtschaft empfindlich.

Die Sorge des Reisenden gilt also nicht der Krankheit per se, sondern vielmehr den Auswirkungen und Einreiseverboten, die die weitere Ausbreitung mit sich ziehen wird. Auch wir mussten unsere Pläne erstmal ändern: wir hatten zwar erst geplant unser Visum in Kambodscha bis zum Ende auszureizen, aber schon in unserer Zeit auf Koh Rong Samloem spitzte sich die Lage zu. Die Polizei erschien mit großen Waffen unterm Arm, um laute Musik und große Zusammenkünfte zu untersagen und die Unterkünfte machten eine nach der anderen ihre Schotten dicht. Und so brachen wir früher nach Thailand auf als geplant, um nicht vor der geschlossenen Grenze zu stehen und die deutsche Botschaft um Hilfe anbetteln zu müssen. Unsere Einreise verlief sehr entspannt und wir waren fast froh, erstmal die letzte über 12 Stunden dauernde Langstreckenreise hinter uns zu haben. Wir leben also jetzt bis auf weiteres in Pattaya, in einer wunderschönen großen Wohnung, die keine Wünsche offen lässt. Wir kochen jeden Tag mit großer Begeisterung und Brot und Kekse haben wir auch schon gebacken. Ansonsten verbringen wir den Tag mit Lesen, Netflixen, Sprachen lernen, Zeichnen, Yoga oder Kartenspielen. Wir halten die Füße still und gehen nur noch für die nötigsten Erledigungen und ,solange es noch erlaubt ist, für kleine Spaziergänge am Strand nach draußen, hoffen aber natürlich auch, dass diese ganze Situation bald ein Ende findet. Wir werden zunächst mal unsere Zeit in unserer gemütlichen Wohnung in Pattaya genießen und können euch versichern: uns geht es gut hier und wir hoffen euch auch, wo immer ihr grade steckt! 

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